#069 A Woman’s Place is on Top: Die Pionierin Gerti Reinisch-Indrich | solotalk

Shownotes

In diesem basecamp steht eine Frau im Rampenlicht, die das österreichische Bergsteigen nachhaltig geprägt hat: Gertrude „Gerti“ Reinisch-Indrich. Die heute 74-jährige Pionierin erzählt von ihrem unermüdlichen Weg in einer damals rein männlich dominierten Alpinwelt. Von ihren ersten Kletterversuchen auf der Hohen Wand bis hin zur Leitung der ersten österreichischen Frauen-Expedition auf einen Achttausender im Jahr 1994 – Gerti Reinisch-Indrich ließ sich nie vorschreiben, wo ihr Platz zu sein hat.

Doch Gerti blickt nicht nur auf die hohen Gipfel des Himalayas zurück. Sie nimmt uns mit auf ihre 3.800 Kilometer lange Umrundung Österreichs entlang der Grenze, spricht über ihre Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen und erklärt, warum das größte Abenteuer heute oft direkt vor der Haustür beginnt. Ein Gespräch über Leidenschaft, Durchhaltevermögen und den Mut, stets die Führung zu übernehmen.

Ein feature von Jörg Wunram.

Das alpenverein basecamp wird unterstützt von der Generali.

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00:00:00: Als ich mich dann angemeldet habe für den ersten Kletterkurs in der Sektion Edelweiß bei Bernhard Stummer, hab' ich zu Bernhard gesagt, ich möchte mich aber nur anmelden wenn nicht vorsteigen darf.

00:00:12: Und da habe ich zum ersten Mal kennengelernt dass es gar nicht so einfach ist als Frau das Gleiche zu machen wie die Männer und vor allem meine Führungsposition einzunehmen.

00:00:23: Dann haben wir T-Shirts verkauft auf denen gestandene The Women's Play Sondetop Und dann haben sie ausgebessert und haben bei TOP ein EFT reingeschrieben, also Moment's Press ist ohne TOP.

00:00:36: Das schien ihnen passender.

00:00:39: Drei tausend achthundert Kilometer waren es... ...und im Nachhinein muss ich sagen dass das eigentlich zu den schönsten Sachen gehört die

00:00:49: ich gemacht habe.

00:00:52: Alpenverein Basecamp

00:00:54: der

00:00:55: Podcast des österreichischen Alpenforeins.

00:00:58: Das Themen der Höhe in die Tiefe gehen.

00:01:05: Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert von der Generali.

00:01:17: Die gebürtige Niederösterreicherin hat viel für das Frauenbergsteigen im Land getan, bis heute ist die Bergsteigerin aktiv!

00:01:27: Die seventy-jährige arbeitet als Kletterinstruktorin, als Ronaldistin und Autorin.

00:01:34: Jörg Wunram hat die Pensionisten im Unruhestand getroffen.

00:01:38: – Steier Oberösterreich.

00:01:47: Zwei Flüsse treffen hier aufeinander, Enns und Steier.

00:01:51: Eine Stadt geprägt vom Eisen seit Jahrhunderten.

00:01:55: Metallverarbeitung, Maschinenbau, industrielle Präzision – bis heute wird hier produziert!

00:02:04: Nur wenige Kilometer südlich beginnen die Kalkalpen.

00:02:07: Seit aber siebenundneunzig Nationalpark.

00:02:12: Am Rande in der Gemeinde Garsten lebt Gertrude-Reinig Indrich.

00:02:17: Gebürtig kommt sie aus dem niederösterreichischen Pisting.

00:02:21: Pistingen liegt am Rande der guten Steiner Alpen, habe ich gelesen und da gibt es in Berg die Reisalpe.

00:02:27: Hast du auch schon in deiner Kindheit angefangen auf die Berge zu gehen oder ist das alles erst später gekommen?

00:02:35: Nein, in meiner Kindheit war ich hauptsächlich auf der hohen Wand weil die war mit dem Fahrrad von Pistinger sehr reichbar.

00:02:43: Und die hohe Wand war eigentlich mein erster Berg Und dann später natürlich Schneeberg und Rags.

00:02:50: Die Klettersteige, die es dort gibt – früher war mehr Schnee, da konnte man auch Skitouren unternehmen!

00:02:56: Wer hat denn bei dir die Leidenschaft und die Freude am Berg gehen geweckt?

00:03:00: Waren's deine Eltern oder wo ist sie hergekommen?

00:03:05: Mein Vater war auf jeden Fall das Skifahren.

00:03:07: Ich war begeisterte Skifererin und das Größte für mich war, wenn ich mit meinem Vater wohin Skifahnen konnte.

00:03:14: Und Skifahrn gelernt hat mir eigentlich Trude Kekker.

00:03:18: Die war, glaube ich, Olympiasiegerin und hat mit meinen Vaters.

00:03:24: Mein Vater hat damals auch in dem Österreich-Kader trainiert.

00:03:29: Für mich war es immer ein Highlight, wenn man sich mit Trudy Kekkerskifahren konnte.

00:03:40: Mit neunundzwanzig Jahren verlässt Gertireinisch Indrich Piesting.

00:03:45: Sie geht nach Wien, nicht um Bergsteigerin zu werden, sondern um zu arbeiten beim österreichischen Alpenverein.

00:03:54: Zwei Kinder wollen versorgt werden.

00:03:56: Heute hat sie drei Enkel.

00:03:58: Gab es da schon bei dir den Wunsch und auch die Idee aus dem was dir Freude macht nämlich in die Berge zu gehen, Skit zu fahren?

00:04:07: So etwas wie ein Lebensentwurf zugestalten, sprich dass du mit den Bergen auch ein Stück weiter an Lebensunterhalt verdienen kannst?

00:04:18: Also ich habe mir in Wien einen Job gesucht und zwar beim Alpenverein-Sektion Edelweiß.

00:04:24: Und als Angestellte konnte man alle Kurse gratis buchen von der Sektion edelweiss und ich habe mich sofort für Skitourenkurs, Kletterkursanfänger fortgeschritten für alles angemeldet was es gegeben hat Und denn vorher bin ich nur Wandern und Kettersteige gegangen, eben auf den Wiener Hausbergen.

00:04:48: Ich wollte es einfach anständig lernen auch wegen meiner Kinder, damit ich die anständigen sichern

00:04:54: kann.".

00:04:59: Was zunächst wie Ausbildung klingt wird schnell zu einer anderen Frage – wer führt?

00:05:06: Wer sagt wo's lang geht?

00:05:08: Und wem wird was

00:05:09: zugetraut?!

00:05:10: Und als ich mich dann angemeldet habe für den ersten Kletterkurs in der Sektion Edelweiß bei Bernhard Stummer, hab ich zu Bernhard gesagt.

00:05:19: Ich möchte mich aber nur anmelden wenn nicht vorsteigen darf.

00:05:23: und die Antwort von Bernhard war Bei uns wollen eh alle hinten nachgehen.

00:05:27: wir sind froh wenn sich jemand meldet der Vorsteigen möchte.

00:05:31: Ein scheinbar kleiner Moment Aber ein entscheidender Nicht nur mit gehen sondern den Weg vorgeben.

00:05:39: Und das war sozusagen der Anfang, weil in dem Moment wo ich vorsteigen und sichern konnte habe ich immer Partner gefunden für die Berge und habe auch geführt.

00:05:49: und dann hat wieder jemand von der Sektion edelweiß gesagt du desto bewusst wenn du vorsteigst und es passiert irgendwas dann bist du verantwortlich.

00:05:59: mach eine Ausbildung als Lehrwart.

00:06:01: heute heißt das Instruktor Und ich habe mich dann angemeldet als Lehrwart für Bergwandern, für Bergsteigen und für Skibergsteigen.

00:06:12: Und war da.

00:06:12: mit einer zweiten Frau waren wir auch die Ersten, die das ganze Programm durchgemacht haben.

00:06:18: Aus diesem Programm erwachsen zwei Dinge Anerkennung und Widerstand oder auch Unterstützung und gesellschaftliche Barrieren.

00:06:27: Es gab aber schon Probleme in der Führerschaft von der Sektion Edelweiß Weil die alteingesessenen Führer sich nicht vorstellen konnten, dass zum Beispiel eine kleine Frau wie ich – ich bin eins von fünfzig groß und hatte damals siebenundvierzig Kilo oder noch weniger – das die auf dem Gletscher einen Mann halten kann.

00:06:50: Und da habe ich zum ersten Mal kennengelernt, dass es gar nicht so einfach ist als Frau das Gleiche zu machen, wie die Männern vor allem meine Führungsposition

00:06:59: einzunehmen.".

00:07:01: Das Ficht gärt die Rheinisch-Indrich nicht an.

00:07:05: Sie sucht sich Verbündete, andere Frauen, die den steinigen Weg der Gleichberechtigung am Berg ebenfalls gehen.

00:07:13: Ich habe dann die Wanderroth Kiewitsch kennengelernt.

00:07:17: Die polnische Expeditionsbergsteigerin war mit ihr auch auf Expedition und bei uns in den Alpenkettern.

00:07:25: Und sie hat mich mitgenommen ... auf eine Expedition zum GASHA-Prom I und GASHO-Prop II.

00:07:33: Ich war nicht sicher, ob mir das überhaupt Spaß macht.

00:07:35: Ich wollte es mir einfach mal ansehen.

00:07:40: Es hat mich so fasziniert, dass ich mir gedacht habe, ich möchte auch eine Expedktion machen aber ich möchte nicht darauf angewiesen ... sein, zu Expeditionsleitern hinzugehen und zu fragen ob die mich mitnehmen würden.

00:07:55: Und daraus ist die Idee zur Frauen Expedition entstanden.

00:07:59: Bleiben wir mal dabei.

00:08:00: also die Idee so haben etwas zu unternehmen?

00:08:02: Ist das eine aber es dann mit Leben zu füllen und umzusetzen ist das andere.

00:08:09: Wie bist du da vorgegangen?

00:08:10: hast du zuerst Partnerinnen gesucht die mit dir gemeinsam nach Tibet gehen wollten Oder sind die auf dich zugekommen, wie lief

00:08:23: das ab?

00:08:48: Publik war in dem Bergsteigerkreis, dass ich eine Frauen Expedition leiten möchte.

00:08:54: Haben sich eigentlich sehr viele Frauen bei mir gemeldet.

00:08:57: Schlussendlich sind es elf Frauen die auf die Schapangmar wollen – ein Achttausender und einer Szene, die nicht darauf vorbereitet ist.

00:09:08: Zumindest in Österreich nicht.

00:09:10: Unterstützung gab es eigentlich in erster Linie von unseren Partnern Männern, die mit unserem Berg unterwegs waren.

00:09:19: Alle anderen haben uns eher verspottelt und gesagt, er kommt eh nicht von Wien weg, ihr kommt nicht einmal bis ins Basislager.

00:09:27: Frauen an den Herd also ziemlich Frauenfeindlich die ganze Geschichte.

00:09:32: dann haben wir T-Shirts verkauft auf denen gestanden ist der Women's Play Sondetop Und da haben sie ausgebessert.

00:09:41: Ich habe ein EFT reingeschrieben, also women's press is on the top.

00:09:47: Das schien ihnen passender.

00:09:50: aber die größte Hürde dabei war das Geld aufzustellen.

00:09:56: es hat damals kein Sponsoring gegeben wie heutzutage vor allem weil man den Sponsoren ja auch nichts versprechen konnte während sie damals sehr unterstützt Hubert Zabelko von der Alpenvereins-Sektion Austre.

00:10:15: Er hat uns nicht nur finanziell unterstützt, sondern er hat uns auch immer wieder gesagt das Wichtigste für ihn ist nicht dass wir auf die Nachtausende hinaufkommen, sondern dass wir alle wieder gesund nach Hause kommen.

00:10:29: und wir sollen keinen falschen Ehrgeiz da hineinlegen.

00:10:33: Gab es denn dann noch weitere finanzielle Unterstützer und Unterstützerinnen die gesagt haben?

00:10:38: Das sind jetzt elf Frauen, die wollen da hin.

00:10:40: Die wollen das unternehmen und tun.

00:10:42: Sie wollen ein Achttausender besteigen.

00:10:45: Finden wir irgendwie klasse?

00:10:47: Und das gehört unterstützt!

00:10:50: Es gab viele Firmen, die uns mit Material und Ausrüstung unterstützten haben.

00:10:56: In der Hinsicht hatten wir überhaupt kein Problem.

00:11:00: Da gab es in unserem Bekanntenkreis schon einige, die Geld gespendet haben Aber es war insgesamt gesehen viel zu wenig.

00:11:10: Herausgerissen hat uns dann eigentlich der ORF, der ein Kamerateam mitgeschickt hat ... Ein männliches Kamereteam und die haben letztendlich die Finanzierung gesichert, dass das ganze Stadt finden konnte.

00:11:25: Haben wir uns aber auch die größten Probleme bei der Expedition

00:11:28: gemacht.".

00:11:38: Natürlich will das Kamerateam großartige Bilder einfangen.

00:11:43: Das führt zu zusätzlichen Belastungen, Drehs müssen mehrmals gemacht werden.

00:11:49: Aber die Schwierigkeiten entstehen im Grunde genommen an anderer Stelle, erinnert sich Gärti Rheinisch-Indrich.

00:11:56: Es war ein bisschen anders ... Wir haben den Eindruck gewonnen, dass sie zeigen sollten, dass eine Frau in Expeditionen zerstrittener Hoffnung ist und es sowieso nicht machen kann.

00:12:07: Ich weiß nicht, ob das richtig ist.

00:12:08: Aber das war der Eindruck, den wir hatten.

00:12:11: Sie haben nämlich von Anfang an nicht versucht wirklich mit uns zu reden und zu sagen Wir wollen jetzt das oder jenes filmen Können wir da zusammenarbeiten?

00:12:21: im Gegenteil.

00:12:23: Der Kameramann und Regisseur hat eigentlich nur mit uns herumgeschrien und beschimpft auf das übelste Und uns dadurch ziemlich demotiviert aber keine Zeit genommen, denn wir wollten auf den Berg hinauf und wir hatten den Ehrgeiz möglichst alles selbst hinaufzutragen.

00:12:44: Wir hatten nur zwei Scherpers für zehn Bergsteigerinnen.

00:12:48: das heißt man rennt x-mal hinauf, baut die Lagerkette aufträgt alles hinauf ist wirklich beschäftigt Und wir wollten auch nicht länger als notwendig in den Lagern oben bleiben.

00:13:01: Nicht nur weil die nächste Gruppe schon gekommen ist, sondern auch weil man nicht das Gas verkochen und die Lebensmittel aufessen wollte, die man ja für den Gipfel-Anstieg dann gebraucht hat.

00:13:13: Es gab dann auch Missstimmung innerhalb der Gruppe vielleicht bedingt durch die Fernsehcrew, die da mit dabei war, die den Filmen drehen wollte.

00:13:24: Woran hat sich... diese Missstimmung dann entzündet.

00:13:27: War das eine Folge des Spannungsverhältnisses zu dem ORF-Team?

00:13:33: Oder war das auch untereinander unter euch Frauen, gab es da unterschiedlichste Interessen?

00:13:40: Dafür möchte ich jetzt nicht im ORF Team die Schul zu schieben.

00:13:45: Das ORF team hat uns nur in irgendeiner Form Stress verursacht allen also ich glaube nicht dass der Ausnahmen gab.

00:13:54: Es gab so ein bisschen Mobbing und stille Post, was im Hintergrund gelaufen ist.

00:14:01: Und dafür waren halt manche anfälliger andere weniger und daraus sind dann schon Probleme entstanden die wir aber bis zum Ende der Expedition sehr erfolgreich war bereinigen konnten.

00:14:15: und wir sind auch jetzt noch befreundet und gehen auch miteinander am Berg und treffen uns immer

00:14:20: noch

00:14:39: Was wie ein Aufbruch wirkt, setzt sich als Haltung fort.

00:14:44: Die Frage ist nicht mehr Kann ich das?

00:14:47: Sondern Warum mache Ich Das?

00:15:03: kann in der Kletterhalle gut trainieren.

00:15:07: Ich bin lieber im Freien unterwegs, egal wie und pass mich den Jahreszeiten an.

00:15:13: Und ja wenn ein schöner Tag ist dann fällt es mir schwer andere Arbeiten zu erledigen und nicht auf dem Berg zu

00:15:21: gehen.".

00:15:22: Du hast viele Berge bestiegen besucht kennengelernt du warst auf den Gipfeln.

00:15:30: dazu gehört dir eine gewisse Entschlusskraft Und eine Entschlossenheit.

00:15:34: Wann wird Entschliessenheit für dich am Berg zur Stur halt?

00:15:37: Ich glaube, das kann man nicht voneinander trennen!

00:15:40: Wenn man entschlossen ist dann braucht man auch die nötige Sturheit um durchzuziehen was man sich vorgenommen hat und vor allem auch eine gewisse Leidensfähigkeit weil gerade beim Höhen bergsteigen oder bei langen Touren da hat man oft genug, bevor man den Gipfel erreicht.

00:16:00: und das was einem weiter treibt ist eigentlich dass der Rückweg noch schwieriger wäre oder dass man sich sagt jetzt bin ich soweit gekommen hier gehe ich nicht wieder herauf also mache ich es fertig und ziehe es durch.

00:16:15: hat dein vater das noch erleben dürfen diese fourneunzige expedition?

00:16:22: Ja, mein Vater war auf jeden Fall sehr stolz und er hat nie wieder etwas gegen das Klettern gesagt.

00:16:28: Weil es eh keinen Sinn gehabt hätte, hätte mich nicht abbringen können

00:16:31: davon.".

00:16:37: Ein Schlossenheit Sturheit Und die Fähigkeit Grenzen zu erkennen Nicht nur am Berg.

00:16:45: Mit der Zeit verschiebt sich der Blick Die Berge bleiben Und Gertrude Reynisch-Indrich beginnt ihre Erfahrung weiterzugeben Auch an Menschen, die mit Bagen zunächst so gar nichts zu tun

00:16:59: haben.

00:17:00: Mit Heftlingen!

00:17:02: Als Erstes ist es mit Ski-Touren losgegangen und später auch mit Klettern steigen und mit Wildwasser badeln in Wildalpen.

00:17:10: Wir haben in erster Linie jugendliche Straftäter betreut, die Berährungsstrafen gehabt oder schon Gefängnisstrafen abgesetzt haben.

00:17:22: Es war ein riesen Erfolg ... Es war auch etwas, was diese Burschen und Mädchen noch nie vorher gemacht haben.

00:17:31: Und wir haben halt kennengelernt, dass sie sehr neugierig sind, dass Sie durch die Erlebnisse beim Bergsteigen mehr Selbstvertrauen bekommen.

00:17:41: Ich habe das zwei Jahre lang mit Alfred Wagner gemacht und ich habe festgestellt, wenn man so ein Advert-Bound-Projekt betreibt und dabei noch auch nur ehrenamtliche Bewährungshelferin ist, dass das eigentlich mehr als ein Fulltime-Job ist.

00:17:57: Weil dich das die ganze Zeit beschäftigt und dadurch habe ich es dann nach zwei Jahren sein gelassen.

00:18:04: Ich glaube Alfred Wagner und einige andere haben das dann noch weiterbetrieben weil er sehr erfolgreich war.

00:18:11: Und so viel ich weiß hat's dann später dafür kein Geld mehr gegeben.

00:18:16: also Ich glaube, heute gibt es das nicht mehr.

00:18:18: Aber es gibt Publikationen

00:18:20: dazu.".

00:18:22: Dieses Engagement hat Gerti eingestellt – zu zeitaufwendig!

00:18:27: Schließlich betreut sie schon seit langem andere Projekte vor allem in Asien im Himalaya.

00:18:35: Gertirainisch-Indrich verbringt zusammengerechnet mehrere Jahre in Nepal oder Tibet.

00:18:42: Ein Film entsteht Das Geheimnis der Sharpa

00:18:45: Und dabei ging es darum, das Geheimnis der Scherper ist dass sie nicht die Träger des Himalayas sind und die Hochträger sondern dass sie eine eigene Volksgruppe sind, die aus Tibet eingewandert ist.

00:18:59: Ich habe von einem Agenten ein Buch bekommen, das seine Studentin übersetzt hat und da ging es drum wie die Scherpers seinerzeit aus Ost-Tibet nach Nepal eingewandert sind.

00:19:12: Das haben wir damals verfilmt.

00:19:15: Das war eine interessante, spirituelle Erfahrung.

00:19:19: Weil es ja nicht nur darum ging wie und warum die Sherpas gekommen sind sondern in dem Buch eigentlich auch einige spirituelle Dinge drinnen waren über den Glauben der Sherpas, über die Weiterentwicklung des Buddhismus.

00:19:37: Und das war für mich das interessante Thema daran

00:19:42: Ein Perspektivwechsel.

00:19:44: Nicht der Gipfel steht im Zentrum, sondern der Mensch, der in der Region lebt.

00:19:50: Und damit stellt sich eine neue

00:19:51: Frage –

00:19:53: wie erzählt man über eine Kultur?

00:19:55: Eine Gesellschaft und über die Herkunft einer Volksgruppe?

00:20:00: Welche Unterschiede gibt es zwischen Text- und Film?

00:20:04: Ein Text kann nur etwas, was ein Film nicht leisten kann wenn ihn Leute lesen, wenn sie Interesse haben.

00:20:13: dazu besteht.

00:20:16: Ich habe mir halt angewöhnt meine Texte so zu schreiben, dass sie leicht verständlich, leicht lesbar sind und vielleicht Freude machen beim Lesen.

00:20:28: Beim Film ist es ganz anders weil wenn ich einen Film mache dann wird der meistens nicht vom Text getragen sondern von den Bildern in den Bildern zu denken, die mir vielleicht vorschweben wenn ich einen Text schreibe.

00:20:46: Aber diese Bilder auch den Zuschauern näherzubringen und vor allem auch diese Emotionen zu vermitteln, die wichtig sind um dem Film zu verstehen, zu genießen Und das ist auch etwas Wichtiges beim Schreiben dass man nicht für sich selbst schreibt sondern für die Leser.

00:21:07: Und auch wenn ich einen Film mache, mach' ich den Film nicht für mich.

00:21:11: Sondern für die Leute, die vorkommen und bei einer Dokumentation und für die Menschen, die ihn sich

00:21:18: ansehen.".

00:21:19: Erleben – erzählen Zwei Seiten derselben Medaille Stets in Bewegung.

00:21:26: Parallel dazu nimmt Einfeld im Leben der Alpinisten immer mehr Raum ein.

00:21:32: Das Ehrenamt Im österreichischen Alpenklub.

00:21:36: Ich habe mich eigentlich lange geweigert, Mitglied beim Alpenclub zu werden.

00:21:41: Weil ich gefunden habe – ich bin nicht gut genug dafür.

00:21:45: und dann habe ich aber Hüttenwürde gehabt vom Brillschutzhaus mit denen ich befreundet war und mich sehr gut verstanden habe und die haben so lange gepusht bis ich dann doch dazugegangen bin.

00:21:57: Und dann ist plötzlich der Redakteur von der Alpenklubzeitung abgestürzt und tödlich abgestürzt.

00:22:06: Und es gab nicht wirklich jemand, der das machen konnte... ...und dann habe ich mir gedacht, jetzt gehe ich eh bald in Pensionen und Zeitung machen macht mir Spaß!

00:22:17: Und da haben wir gedacht, naja probiere ich's einfach.

00:22:21: Das war ein Jahrzehnt, und seither mache ich die Zeitung.

00:22:26: Und was das Schöne für mich ist, dass sich wirklich selbstständig arbeiten kann, dass mir im Alpenclub kaum jemand reinredet und dass ich so einen, so schöne Kontakte zu den verschiedensten Bergsteigern weltweit habe.

00:22:45: Und eigentlich von allen Erfahrungen was sie bewegt und was sie planen.

00:22:52: Sind der ÖAV und der ÖAK, sind das Konkurrenzbetriebe oder würdest du das eher sehen?

00:23:00: Sie ergänzen sich.

00:23:01: Also Konkurrenzbetriebe auf gar keinen Fall, weil wenn man Mitglied im eliteeren Alpenclub ist muss man auf alle Fälle bei einem anderen Alpinnenverein auch dabei sein um die Versicherungen zu haben, die man braucht.

00:23:20: und außerdem kommen ja alle, die zum Alpenklub gehen und dort Mitglied werden, kommen ohnehin von einem Alpinenverein.

00:23:29: Was uns unterscheidet ist, dass wir keine Ausbildung anbieten.

00:23:34: Weil zu uns ja nur fertige erfahrene Bergsteigerinnen kommen und dafür hätten wir auch nicht das Potenzial.

00:23:43: Und so gesehen gibt es eine schöne Zusammenarbeit.

00:23:47: Ja wahrscheinlich wenn der Alpenclub irgendeinem von diesen alpinnen Vereinen zugehören würde dann wären diese Kontakte zu allen nicht in dieser Form möglich, ohne Konkurrenzdenken und ohne Wettbewerb.

00:24:04: Und ich glaube eure Mitglieder dürfen auch in den Alpenvereinsschutzhütten quasi zum vergünstigten Tarif nächtigen so wie es beim ÖAV oder beim DAV auch üblich ist dass die Mitglieder eben etwas günstiger dort übernachten

00:24:21: können.

00:24:21: Ja das Gegenseitigkeitsrecht gibt's natürlich auch beim österreichischen Alpenklub.

00:24:34: Dieses gegenseitigkeitsrecht nimmt auch Gerti Rheinisch-Indrich in Anspruch, nicht mehr nur die Höhe steht im Mittelpunkt sondern die Strecke der Weg ein Land Schritt für Schritt gemeinsam mit ihrer Freundin Christine Eberl mit der sie auch an der Chishapangma unterwegs war.

00:24:55: Gerti ist einmal um ganz Österreich gegangen und gefahren.

00:24:59: Also wie viele Kilometer ist einmal im Österreich rum, wenn man die Außengrenze abschreitet oder abgeht oder abradelt?

00:25:07: Ja, drei tausend achthundert Kilometer waren es weil man ja sich nicht ständig genau auf der Grenze bewegen kann und wir sind in den Aussalbinenteil mit den Rädern gefahren und zum Beispiel beim Bodensee auch sonst hätten wir zu lange gebraucht Und den Alpinenteil sind wir zu Fuß gegangen.

00:25:30: Am Ende sind die zwei Frauen hundertdreiundvierzig Tage unterwegs.

00:25:35: Sie sehen alle acht Anreinerstaaten Österreichs Deutschland, Tschechien, die Slowakei Ungarn, Slovenien Italien Lichtenstein und die Schweiz.

00:25:47: Dort entdecken Gertie und Christine landschaftliche Kostbarkeiten

00:25:51: Die Idee rund um Österreich.

00:25:53: das erschien uns wertvoll.

00:25:56: Außerdem hatten wir das Gefühl, wie wir uns grob damit beschäftigt haben.

00:26:01: Dass so viele Gebiete rund um Österreich sind die wo wir noch nie waren, die wir nicht kennen und die Spannend zum Kennen lernen sind.

00:26:10: Und es war auch glaube ich, von der Öffnung des eisernen Vorhangs.

00:26:19: Wir haben gesagt, dass möchten wir uns auch anschauen.

00:26:23: Und im Nachhinein muss ich sagen, dass das eigentlich zu den schönsten Sachen gehört die ich gemacht habe.

00:26:32: Die vielleicht schönste Expedition war und dass wir enorm viele unterschiedlichste Landschaften schöne Landschafte interessantes kennen gelernt haben natürlich auch körperlich gefordert waren weil wir haben gewusst.

00:26:48: wir müssen das in einer gewissen Zeit abschließen.

00:26:51: Wir sind in Salzburg gestartet und wie wir dann am Bodensee waren, im September waren wir so überrascht weil wir uns vorher nicht vorstellen konnten dass wir überhaupt zu weit kommen.

00:27:04: Und das wir das körperlich durchhalten.

00:27:06: ich war dreiundsechzig, Christine achtundfünfzig und wir haben ganz wenig Rastage gemacht um keine Zeit zu verlieren.

00:27:15: Das Wetter war extrem schlecht in diesem Sommer Und wir hatten keine Zeit, das Schlechtwetter abzuwarten.

00:27:22: Wir wollten das möglichst in einem Stück

00:27:24: durchziehen.".

00:27:31: Aus dieser Mammut-Tour entsteht ein Buch.

00:27:35: Es trägt den Titel Grenzgänge und erzählt über den Weg von Grenzstein zu Grenzstein – und von mehr als hundertzwanzig Gipfeln!

00:27:48: Boah, die hat mich irgendwie vom Hocker gehauen.

00:27:50: Im positiven Sinne also das ist etwas... Das hätte ich nie erwartet!

00:27:54: Also erstens einmal für mich war der Aussalbine Teil besonders interessant weil als Bergsteiger fährt man nicht in den Bömerwald ins Waldviertel, ins Müllvierteln.

00:28:06: Das weiß mir ungefähr wo es liegt aber man stellt sich's nicht sonderlich spannend vor oder man denkt, na was mache ich im Südburgenland?

00:28:15: Und diese Regionen waren eigentlich sehr abwechslungsreich, sehr schön und von der Logistik her auch schwierig.

00:28:26: Weil bei der Grenze gibt es nix.

00:28:28: Man kann nicht einkaufen, man kann nicht einkehren oder übernachten.

00:28:33: Was mir besonders gut gefallen hat von der ganzen Wildheit, das waren die Steiner Alpen und die Karawanken in Slowenien.

00:28:44: Faszinierend für dich?

00:28:45: Die Wildheit, die vielleicht Abgeschiedenheit.

00:28:49: Also erst einmal die freundlichen Menschen, die wir getroffen haben wo wir übernachtet oder unterwegs haben und dann die Wildheit der Landschaft.

00:28:59: Dann die Wege, die zwar vorhanden sind aber immer mit Überraschungen aufwarten von Bären, Warntafeln bis zu Steigen wo man eigentlich schon klettern muss die aber als normale Wanderwege gekennzeichnet sind.

00:29:17: Und in den Alpen dann später war es eigentlich dass wir so schlechtes Wetter hatten und kein Mensch aus uns unterwegs und oft Schnee gelingen ist Markierungen unter dem Schneewahn Oder wir zu zweit bei weiter Auto über den Kletcher gehen mussten.

00:29:35: Und das waren dann halt die Abenteuer, die wir bewältigen

00:29:38: mussten.".

00:29:39: Mit anderen Worten – Gerti muss nicht mehr in die große weite Welt hinaus!

00:29:45: Abenteuern entstehen in ihrem Kopf.

00:29:48: Sie steigt nicht mehr automatisch ins Flugzeug um Berge zu sehen.

00:29:53: Das geht sehr gut auch direkt vor der Haustür.

00:29:58: Also der erste Grund ist, dass ich eigentlich nicht mehr ins Flugzeug steigen möchte aufgrund unseres Klimas.

00:30:07: Dass man ja doch schädigt.

00:30:08: und mir ist schon klar wenn ich allein in keinem Flugzeugsteige werde ich nicht viel bewirken.

00:30:14: aber es ist immerhin ein Zeichen und wenn sich jeder für sich selbst anfängt Zeichen zu setzen dann wird sich nichts ändern.

00:30:23: Und die andere Geschichte.

00:30:24: Ich war einfach dadurch, dass ich so viel weg waren unterwegs war.

00:30:29: Wirklich viele in Österreich nicht kennen, nicht nur an der Grenze und auch in den angrenzenden Ländern.

00:30:36: Und das ich nach wie vor der Meinung bin, dass man zu Fuß oder mit dem Fahrrad ein Vielfaches von dem sieht, wie wenn man mit dem Auto unterwegs ist und beim Flugzeug schon gar nicht.

00:30:51: Alpenverein

00:30:52: Basecamp

00:30:52: – Der Podcast des österreichischen Alpenforeins.

00:31:03: Diese Podcast wird Ihnen präsentiert von der Generali.

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