#073 Berge für alle? Über Diversität im Bergsport | feature

Shownotes

Ob wir Freude teilen, Sorgen sortieren oder das Abenteuer suchen – die Natur ist unser Rückzugsort. Doch das Versprechen, dass sie für alle da ist, hält der Realität oft nicht stand. Ist euch schon mal aufgefallen, dass am Berg meist eine sehr einheitliche Gruppe wandert? Weiß, privilegiert und perfekt ausgerüstet. Wo bleibt die Vielfalt, die unsere Gesellschaft eigentlich ausmacht?

In diesem Feature von Michel Mehle fragen wir nach: Wie ist es, wenn man in den Bergen „anders ausschaut“ und sich mit Blicken oder gar Rassismus konfrontiert sieht? Wir beleuchten die sogenannte „Adventure Gap“ und sprechen mit dem Tiroler Freeski-Profi Dennis Ranalter über seinen Weg zur „Therapie auf Skiern“. Und wie Initiativen wie EMPOCA oder die Opening up the Outdoors Changemaker daran arbeiten, die Berge für alle zu öffnen.

Themen im Podcast

  • Homogenität am Berg: Warum uns die Einseitigkeit beim Wandern oft nicht auffällt
  • Dennis Ranalter: Skifahren als „Therapie“ gegen Rassismus-Erfahrungen
  • Adventure Gap & Barrieren: Erkenntnisse der Studie „Ungehindert dazugehören“
  • Wege zur Vielfalt: Wie EMPOCA, die „OUTO Changemaker“ und „Miteinander am Berg“ Hürden abbauen
  • Zukunft des Bergsports: Warum Naturschutz die „kollektive Energie“ aller braucht

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Das alpenverein basecamp wird unterstützt von der Generali.

Transkript anzeigen

00:00:00: Es gibt Kinder, die noch nie in ihrem Leben außerhalb ihres Wohnorts Urlaub gemacht haben. Erfahrungen in der Natur, mit Übernachtung im Zelt, schon mal gar nicht.

00:00:12: Also, wir haben gesehen, dass die Freiheit, die viele mit Natur verbinden und in der Natur finden, nicht für alle gleichermaßen selbstverständlich ist.

00:00:25: Ich habe die Prüfung gemacht.

00:00:29: Ich kann dieses Wissen an andere weitergeben und ich kann andere in diese Welt begleiten. Damit bin ich nicht mehr Gast.

00:00:37: Das hat sich so angefühlt, als wäre ich endlich angekommen.

00:00:41: Ich glaube, es ist einfach wichtig, einen Raum zu schaffen, wo sich Leute nicht in ihrer Person ausgegrenzt fühlen und nicht darüber nachdenken, wer sie sein sollten, sondern einfach die Chance haben, die Person zu sein, die sie sein wollen.

00:01:06: Dieser Podcast

00:01:07: wird Ihnen präsentiert von der Generali.

00:01:12: Du spürst ein bisschen den Wind und schaust in die Ferne.

00:01:33: Das ist ein spezielles Glücksgefühl, einfach so ganz beruhigend.

00:01:40: Die Ruhe der Bergwelt begleitet Dennis Ranalter, wohin er geht. Sogar zu einem Interview im trubeligen Wien.

00:01:48: Wir treffen uns am ersten Mai im Wiener Prater.

00:01:51: Als Freeski-Profi ist Dennis normalerweise in der ganzen Welt unterwegs:

00:01:55: Neuseeland, Kanada, Chile, Japan.

00:01:57: Aber ich habe Glück.

00:01:59: Ich erwische den gebürtigen Tiroler, als die Saison gerade vorbei ist.

00:02:03: Wir finden eine Bank unter einem Baum und plaudern übers Skifahren.

00:02:07: Als ich keine Contests und keine Wettkämpfe mehr gefahren bin, ging es weniger um die Ausführung oder die Technik hinter dem Trick, sondern mehr darum, dieses Gefühl zu spüren.

00:02:18: Mehr darauf zu achten:

00:02:21: Wow, das fühlt sich richtig befreiend und spannend an. Und einfach irgendwie schwerelos.

00:02:28: Schwerelos beschreibt Dennis Ranalter auf Skiern wohl am besten.

00:02:32: In seinen Videos hebt es ihn vom Kicker, die Ski gekreuzt, dreimal um die eigene Achse.

00:02:38: Er schwebt, als würde die Gravitation hier ganz anderen Gesetzen folgen: dem Rhythmus seiner Skier.

00:02:45: Mit zwei Jahren stand Dennis das erste Mal auf der Piste.

00:02:48: Mit zehn, zwölf hat er gemerkt: Das ist meine Welt.

00:02:52: Er kommt in den ÖSV-Jugendkader und startet eine Profikarriere.

00:02:57: Manche würden sagen: eine klassische Biografie in Tirol.

00:03:01: Aber bei Dennis ist da noch etwas anderes.

00:03:04: Ich kann mich noch an Situationen erinnern, in denen ich mich nicht wohlgefühlt habe,

00:03:08: weil ich anders ausschaue. Manche Dinge habe ich gar nicht ausprobiert, weil ich wusste:

00:03:13: Nein, das mag ich nicht, wegen der Blicke und wegen dem, was auch immer. Und ich fühle das nach wie vor.

00:03:19: Ganz blöd gesagt: Ich weiß ganz genau,

00:03:21: wenn ich irgendwo in einem Dorf mit zehn Leuten kegeln gehe, schauen mich viele an und denken: Was macht der jetzt da?

00:03:29: Dennis ist dunkelhäutig.

00:03:31: Seine Mutter ist aus Österreich, sein Vater aus Ghana.

00:03:35: Seine Heimat ist Neustift im Stubaital.

00:03:39: Jeden Tag sieht er als Kind von zu Hause die Serles.

00:03:42: Trotzdem fragen ihn Menschen immer wieder, woher er kommt.

00:03:46: In der Schule spürt er das erste Mal, dass manche ein Problem mit seiner Hautfarbe haben.

00:03:53: Ich habe immer versucht, mir das nicht groß anmerken zu lassen. Aber natürlich ist es sehr, sehr unangenehm.

00:04:01: Das sind die Momente, die alle kennen: wenn man sich daheim in die Bettdecke hineinweint.

00:04:09: Bei mir war es, glaube ich, das Skifahren. Das war für mich Therapie, weil ich dort viel Energie hineinstecken konnte. Wenn es mir nicht gut ging oder ich eine schlechte Zeit hatte,

00:04:25: konnte und durfte ich Skifahren gehen. Das hat mich in solchen Momenten immer sehr ausgeglichen.

00:04:31: Und ich konnte auch viel Motivation hineinstecken.

00:04:34: Das klingt jetzt irgendwie klischeehaft, aber: Dir werde ich es zeigen, weil ich ein guter

00:04:38: Skifahrer werde.

00:04:39: Dennis Ranalter hat das geschafft.

00:04:41: Er ist heute ein extrem guter Skifahrer.

00:04:45: Breakout Skier of the Year des International Freesports Film Festival, gesponsert von Atomic und The North Face.

00:04:52: Neun Monate im Jahr verbringt er im Powder und fährt und fliegt und lacht.

00:04:57: Aber selbst heute kann es passieren, dass ihm nach einem grandiosen Tag im Schnee irgendwo ein dummer Spruch auflauert.

00:05:04: Ein paar Blicke ihn zu einem Fremden machen wollen.

00:05:08: Manchmal muss er dafür nur durch die Tür einer Skihütte treten.

00:05:14: Willkommen im Alpenverein Basecamp.

00:05:16: Mein Name ist Michel Mehle.

00:05:17: Wenn wir glücklich oder traurig sind, unsere Gedanken sortieren oder ein Abenteuer suchen, dann gehen wir in die Natur.

00:05:27: Für manche ist sie das Medium, in dem sie wirklich zeigen können, wie es ihnen geht.

00:05:32: Die Natur, das ist auf jeden Fall klar, ist für uns alle da.

00:05:37: Aber das stimmt nicht ganz.

00:05:39: Es gibt Menschen, für die ist Natur nicht Freiheit, sondern Unsicherheit. Angst vor möglichen negativen Erfahrungen.

00:05:47: Weil Menschen negative Erfahrungen vermeiden wollen, vermeiden sie auch Natur. Und das ist ein Problem.

00:05:54: Gleichzeitig ändert sich aber auch etwas.

00:05:56: Menschen verschiedener Hautfarben und Hintergründe tröpfeln langsam, langsam in die Bergwelt ein.

00:06:02: In diesem Podcast schauen wir deshalb, wie es ist, wenn man in den Bergen anders ausschaut. Und wie die Berge ausschauen, wenn Natur wirklich für alle da

00:06:12: ist.

00:06:14: Es gibt Kinder, die noch nie in ihrem Leben außerhalb ihres Wohnorts Urlaub gemacht haben. Und es gibt Kinder, die im Familienkontext schon einmal Urlaub gemacht haben.

00:06:26: Was die meisten tatsächlich selten gemacht haben, sind Erfahrungen in der Natur. Mit Übernachtung im Zelt schon mal gar nicht.

00:06:36: Anthony Owosekun ist Erlebnispädagoge.

00:06:39: Seine ganze Karriere setzt er sich schon dafür ein, dass Kinder und Jugendliche ihr Potenzial entfalten können.

00:06:46: Als jahrelanger Pfadfinder und naturverbundener Mensch geht das für ihn am besten draußen.

00:06:51: Er selbst war schon mit acht, neun Jahren bei den Pfadfindern und dabei immer das einzige Kind mit dunkler Hautfarbe.

00:07:00: Als Erwachsener hat er deswegen eine Initiative gegründet, die schwarze Kinder und Jugendliche in Deutschland mit Natur verbindet:

00:07:07: EMPOCA.

00:07:08: Ich habe EMPOCA gegründet, weil mir sehr wichtig war, dass die Erfahrungen, die ich als Kind gemacht habe, hoffentlich nicht mehr so viele Kinder of Color machen, also Kinder, die grundsätzlich Rassismus erfahren. Mir war wichtig, dass sie eine Anlaufstelle und einen Zugangsort haben, um überhaupt erstmals Naturerfahrungen zu machen.

00:07:32: Das war im Jahr 2019, als ich EMPOCA gegründet

00:07:37: habe.

00:07:38: Zu EMPOCA kommen Kinder, die mindestens ein schwarzes Elternteil haben. Das sind häufig Kinder aus der Stadt.

00:07:45: Kinder, deren Eltern am Wochenende eher nicht auf einen Berg gehen, geschweige denn klettern, Kajak fahren, Schneeschuh wandern oder zelten.

00:07:53: EMPOCA ist bis heute die einzige Initiative in Europa, die solche Camps anbietet.

00:08:01: Bei uns finden nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch ihre Eltern einen Ort,

00:08:05: an dem sie sich zugehörig fühlen.

00:08:09: Und dieses Wort ist natürlich so ein Schlagwort: Was heißt Zugehörigkeit?

00:08:14: Zugehörigkeit heißt: Meine Daseinsberechtigung wird nicht infrage gestellt.

00:08:19: Ich bin vor Ort, und wenn ich da bin, bin ich erst einmal zugehörig. Als Individuum, mit meinen individuellen Fähigkeiten, Aussagen und meiner Persönlichkeit.

00:08:25: Das ist etwas, das in anderen Kontexten weniger passiert, weil du dort einfach als Träger irgendeiner Gruppe wahrgenommen wirst.

00:08:35: Da bist du die schwarze Person.

00:08:38: Das ist sehr belastend. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, dass es Möglichkeiten gibt, Menschen diese Belastung zu nehmen, indem sie Räume wie bei EMPOCA haben, in denen sie selbst sein können.

00:08:54: Das klingt sehr einfach, bedeutet aber auch, mit allen Ecken und Kanten man selbst zu sein.

00:09:00: Und auch einmal Fehler machen zu dürfen.

00:09:04: Einfach einmal durchatmen zu dürfen und in diesem Fall auch keinen Rassismus zu erleben.

00:09:11: Manche von euch finden das jetzt vielleicht verwirrend.

00:09:14: Wieso ist es denn so ein Problem, in die Natur zu gehen, wenn man anders aussieht?

00:09:19: Es sind doch eigentlich alle freundlich in den Bergen.

00:09:23: Ich würde dazu gerne ein Experiment machen.

00:09:26: Stellt euch einmal eine Wandergruppe vor: Frauen und Männer in Outdoorkleidung, gut ausgerüstet, gut gelaunt auf dem Weg zum Gipfel.

00:09:33: Es geht sauber bergauf, aber die Gruppe ist fit. Sie kommen sogar zum Sonnenaufgang an.

00:09:38: Der Tee dampft im ersten Licht des Tages aus ihren Thermosflaschen.

00:09:43: Und jetzt stellt euch vor, die Menschen dieser Gruppe haben eine schwarze Hautfarbe oder sind westasiatisch, arabischstämmig.

00:09:52: Komisch,

00:09:53: oder?

00:09:54: Natürlich kann das sein. Aber es ist fast nie so. Und wenn ich ehrlich bin: Mir ist das lange nicht einmal aufgefallen.

00:10:04: Die Lücke zwischen Experiment und Realität hat einen Namen: Adventure Gap.

00:10:09: Zu Deutsch vielleicht: Erlebnislücke.

00:10:12: Geprägt hat den Begriff der US-Journalist James Edward Mills. In seinem Buch „The Adventure Gap:

00:10:17: Changing the Face of the Outdoors“ beschreibt er, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen in Outdoor-Aktivitäten kaum vorkommen.

00:10:24: Da kannst du natürlich sehr viele individuelle Gründe nennen: Sie haben andere Hobbys und spielen lieber XYZ.

00:10:33: Das kann sein und ist wahrscheinlich auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

00:10:38: Aber was in dieser Studie statistisch erfasst wurde, ist: Die Menschen haben Lust, in die Natur zu gehen, fühlen sich dort aber nicht sicher und nicht willkommen. Und zwar von Menschen, die bisher dachten: Die Gegend ist doch für alle da.

00:10:58: Die Studie, von der Anthony spricht, heißt „Ungehindert dazugehören“.

00:11:02: Sie wurde 2025 veröffentlicht.

00:11:04: Die Organisation dahinter, Opening Up the Outdoors, will genau wie Anthony, dass mehr Menschen in die Natur kommen, die bisher wenig Zugang hatten.

00:11:13: Dafür wollten sie zuerst wissen, warum manche Menschen Natur meiden, und befragten 200 nichtweiße und 100 weiße Menschen in Deutschland, erzählt mir die Studienverantwortliche Margo De Lange.

00:11:25: Wir wollten ursprünglich Motivation und Barrieren von People of Color im Outdoor-Bereich besser verstehen.

00:11:32: Wir haben viele Interviews gemacht, und Rassismus als Thema ist immer wieder zurückgekommen.

00:11:40: Wir haben gesehen, dass die Freiheit, die viele mit Natur verbinden und in der Natur finden, nicht für alle gleichermaßen selbstverständlich ist.

00:11:53: Die Studie „Ungehindert dazugehören“ hat nicht genügend Teilnehmende, um allgemein statistisch gesicherte Aussagen über Diversität im Bergsport zu machen.

00:12:02: Sie ist nicht repräsentativ. Relevant finde ich sie trotzdem.

00:12:07: Sie hat genügend Teilnehmende, um eine Ahnung davon zu bekommen, warum manche Menschen Natur meiden. Und sie ist ganz nebenbei die einzige Studie zu Outdoor-Diversität in Europa. Das zeigt auch, wie unsichtbar das Thema bei uns ist.

00:12:23: Die meisten nichtweißen Befragten erzählen darin von Diskriminierung oder Vorurteilen in der Natur.

00:12:29: Wer im Alltag Rassismus erfährt, erfährt das wahrscheinlich auch am Berg.

00:12:34: Viele Menschen sagen außerdem, die Outdoor-Kultur sei unnahbar, weil Erwartungen an Wissen, Ausrüstung und Orte die Latte für Neueinsteigende ziemlich hoch legen.

00:12:46: Und was mich dabei überrascht hat:

00:12:48: Die weißen Befragten der Studie sehen das zum Teil genauso. Margo De Lange:

00:12:53: Die dominanten Bilder davon, wer „outdoorsy“ ist,

00:13:00: schließen viele schon implizit aus. Das betrifft nicht nur People of Color.

00:13:06: Auch Menschen, die ein bisschen größer sind, haben diese Probleme.

00:13:11: Wenn man sich in Kampagnen, Medien oder Gruppen nicht wiedererkennt, entsteht eine Distanz.

00:13:20: Unser gängiges Verständnis von Outdoor schreckt viele Menschen davon ab, überhaupt Natur zu erleben.

00:13:26: Weil sie anders aussehen, nicht weiß zum Beispiel oder nicht so trainiert.

00:13:31: Wenn Outdoor außerdem als abgelegen und ausrüstungsintensiv inszeniert wird, kommen finanzielle und logistische Hürden dazu. Das führt dazu, dass bergferne Menschen gar nicht erst auf die Idee kommen, wandern zu gehen.

00:13:47: Das muss sich aus vielen Gründen ändern.

00:13:50: Diversität ist dabei ein Faktor.

00:13:53: In Österreich hatte 2025 laut Statistik Austria fast ein Drittel der Bevölkerung Migrationshintergrund.

00:14:01: Wenn wir die Viertelmillion Deutschen herausrechnen, bleiben immer noch gut zwei Millionen Menschen.

00:14:08: Was bedeutet das für die Zukunft im Naturschutz?

00:14:11: Was bedeutet es für Schutzzonen in Österreich, wenn ein Viertel der Menschen wenig Bezug zur Natur hat? Oder in Deutschland oder anderen europäischen Ländern?

00:14:23: Das können

00:14:25: wir uns nicht leisten. Spätestens jetzt in diesem Jahrhundert

00:14:29: brauchen wir alle Menschen, um das Bewusstsein nicht nur für die Klimakrise, sondern auch für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu schärfen.

00:14:41: Da brauchen wir wirklich alle. Deswegen

00:14:44: braucht

00:14:44: es kollektive Energie und nicht nur ein schönes Projekt.

00:14:56: Dieser Podcast

00:14:57: wird Ihnen präsentiert von der Generali.

00:15:01: Ich habe dann die Ausbildung gemacht. Danach hat es sich so angefühlt, als wäre ich endlich nicht mehr nur Gast.

00:15:09: Beata Hardi ist vor einigen Jahren aus Ungarn nach Österreich

00:15:12: gekommen.

00:15:14: Für sie war das Ankommen in diesem Land ein Prozess: sich als Teil von Österreich zu fühlen.

00:15:19: Das hat sie vor allem über die Ausbildung zur Tourenführerin beim Alpenverein geschafft.

00:15:24: Sie erzählt:

00:15:25: Ich habe die Prüfung gemacht.

00:15:30: Ich kann dieses Wissen an andere weitergeben und ich kann andere in diese Welt begleiten.

00:15:36: Damit bin ich nicht mehr

00:15:38: Gast.

00:15:39: Das hat sich so angefühlt, als wäre ich endlich angekommen.

00:15:42: Beata fühlt sich heute als Teil einer Gemeinschaft.

00:15:46: Die Voraussetzungen sind bei ihr aber anders als bei den Menschen, die wir bisher im Podcast gehört haben.

00:15:53: Ihr geht es um die Zugehörigkeit in einem neuen Land, nicht im eigenen.

00:15:58: Trotzdem will Beata mit ihren Touren Zugehörigkeit auch für andere schaffen.

00:16:24: Dann hast du Österreich nicht wirklich oder nicht vollständig erlebt.

00:16:28: Beatas Touren in den Wiener Hausbergen sind als International Hikes ausgeschrieben. Es kommen Menschen aus ganz Europa, aber auch aus Österreich, Singapur und Kambodscha.

00:16:39: Es geht ums Draußensein für Menschen, denen ein Zugang vielleicht fehlt. Genau wie bei EMPOCA oder Opening Up the Outdoors kann dadurch eine neue Gemeinschaft wachsen.

00:16:49: Es ist wirklich schön, das zu sehen.

00:16:51: Am Ende spielt es bei den Touren keine Rolle, woher alle gekommen sind.

00:16:55: Wir haben gemeinsame Erfahrungen gemacht, gemeinsam etwas gelernt und einen schönen Tag erlebt.

00:17:02: Und alle sehen, dass wir alle Menschen mit Interessen sind, die miteinander über Dinge reden können.

00:17:12: Ich glaube, das ist wirklich eine schöne Sache.

00:17:16: Im Alpenverein sind alle Menschen willkommen, die Natur zu genießen. Aber es braucht Ehrenamtliche wie Beata Hardi,

00:17:23: die diese Einladung mit Leben füllen.

00:17:26: Menschen, die eine Erfahrung gemacht haben, die sie antreibt, etwas zu verändern.

00:17:31: Die Organisation, die Initiativen für Menschen anderer Hautfarbe in ganz Europa miteinander vernetzt, ist Opening Up the Outdoors.

00:17:38: Von ihrer Studie haben wir hier im Podcast schon gehört.

00:17:42: Sie haben aber auch ein Trainee-Programm für sogenannte Changemaker.

00:17:47: Es ist

00:17:48: wie ein Start-up-Accelerator, der kleinen Organisationen in der Outdoor-Branche hilft.

00:17:56: Damit kleine Organisationen wachsen können, leichter mit Freiwilligen arbeiten und professioneller werden.

00:18:15: In Österreich ist Bích Tran dabei, ein Linzer mit vietnamesischer Mutter.

00:18:21: Ich war gerade wandern und habe gesehen: Oh, die haben einen Open Call.

00:18:27: Da ging es um Diversität im DACH-Raum, also Deutschland, Österreich und die Schweiz.

00:18:32: Das ist sehr cool, weil man eine Community mit Menschen gefunden hat, die gleiche Werte haben und das Gleiche erreichen wollen.

00:18:38: Das ist wirklich cool.

00:18:40: Als The Other Outdoor Club bietet er in der Linzer Gegend immer wieder Wanderungen an.

00:18:45: Er ist eine von drei Initiativen, die ich in Österreich kenne: Einzelpersonen, die versuchen, eine Veränderung

00:18:53: anzustoßen.

00:19:09: Es hört sich gefährlich an, ich kenne mich da gar nicht aus.

00:19:16: Ich schaue auch fremd aus.

00:19:19: Man kennt die Regeln nicht und weiß nicht, wie man sich dort verhält.

00:19:22: Und dann jemanden zu haben, der sagt: Hey, ich nehme dich bei der Hand,

00:19:27: oder:

00:19:27: Komm mit.

00:19:29: Wer hat euch zur Natur gebracht?

00:19:32: Eure Eltern, Großeltern oder Freund:innen?

00:19:36: So richtig hat mich meine Freundin in die Berge gebracht.

00:19:40: Ich weiß noch, wie wir mit Freund:innen auf einer Skihütte waren, die so eingeschneit war, dass wir zuerst die Tür ausschaufeln mussten.

00:19:46: Wie wir nachts im Schnee lagen und uns die Flocken in den offenen Mund gefallen sind.

00:19:51: Ihr wisst, wovon ich spreche, weil ihr das erlebt habt.

00:19:56: Es wäre doch schade, wenn

00:19:57: nicht.

00:19:59: Es ist nicht so, dass wir sagen: Sie sollen sich jetzt integrieren und quasi Österreicher:innen werden,

00:20:04: die sich das Edelweiß ins Knopfloch stecken. Sondern die Berge sollen auch ein Teil ihrer Heimat sein. Sie sollen sie genauso nutzen und sich dort aufhalten können wie wir.

00:20:16: So, wie wir das aufgrund unserer Geburt einfach machen können und dürfen.

00:20:20: Und das ist es, was wir versuchen und ermöglichen wollen.

00:20:24: Georg Zimmermann ist im Team von Miteinander am Berg.

00:20:28: Bei Miteinander am Berg gehen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund gemeinsam klettern.

00:20:33: Die Initiative gibt es seit zehn Jahren.

00:20:36: Sie arbeitet eng mit Sektionen des Alpenvereins, anderen Vereinen und Kletterhallen zusammen.

00:20:42: Ein langjähriges Mitglied ist Milad Ziaeimehr, Instruktor im Sportklettern, der vor seiner Flucht im Iran professionell geklettert

00:20:49: ist.

00:21:30: In der Natur sind wir aufeinander angewiesen.

00:21:33: Auch wenn wir heute teilweise weniger ausgesetzt unterwegs sind.

00:21:37: Wenn es brenzlig wird, helfen wir uns.

00:21:40: Ein Zeichen dafür ist das Du, das am Berg schon immer normal war. Weil Natur Herausforderungen stellt, aber nicht unterscheidet.

00:21:50: Ob man sich auch zwischenmenschlich als Teil dieser Gemeinschaft fühlt, darüber entscheidet manchmal nur eine hochgezogene Augenbraue oder ein Lächeln, das einem am Weg begegnet.

00:22:00: Ich denke, was man wirklich tun kann und tun sollte: gemeinsam Räume für Kinder und Jugendliche zu schaffen, damit sie dem nachgehen können, was auch immer sie tun wollen.

00:22:12: Und zwar ohne vorhandenen Klischees zu folgen.

00:22:14: Nach dem Motto: Du bist groß, du kannst nicht Dressurreiten, weil du Basketballspieler werden musst.

00:22:20: Oder: Du bist schwarz,

00:22:21: du musst laufen gehen, weil jeder Schwarze schnell läuft. Und du bist weiß, du musst Fußballer werden.

00:22:27: Nein.

00:22:27: Du kannst sein, was du willst, und dem nachgehen, was du willst, ohne einen Gedanken daran zu verlieren.

00:22:36: Nur weil irgendjemand einmal gesagt hat, dass es so ist, heißt das noch lange nicht, dass es so sein

00:22:42: muss.

00:22:43: Dennis Ranalter ist schwarz und österreichischer Freeski-Profi.

00:22:48: Wer Dennis kennt, findet das nur logisch.

00:22:51: Die ganze Gelassenheit, Offenheit und Leichtigkeit, die ich im Gespräch mit ihm spüre, finde ich auch in seinen Videos.

00:22:59: Es ist ein Glück für alle, die ihm dabei zusehen, dass er den Schnee für sich gefunden hat. Dass er seinem Herzen gefolgt ist.

00:23:08: Man kann sich nur wünschen, dass es für andere genauso

00:23:12: möglich

00:23:12: ist.

00:23:13: Ich glaube, es ist einfach wichtig, einen Raum zu schaffen, wo sich Leute nicht in ihrer Person ausgegrenzt fühlen und nicht darüber nachdenken, wer sie sein sollten, sondern einfach die Chance haben, die Person zu sein, die sie sein wollen.

00:23:45: Der Podcast des Österreichischen Alpenvereins in Zusammenarbeit mit der Generali.

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